Die CLASSIC MOBIL
(1993 bis 2006)
Die CLASSIC MOBIL
(1993 bis 2006)
No risk, no fun…
…so könnte das Motto gelautet haben, das Claus Müller 1992 dazu brachte, der Nachfolgeveranstaltung des Münchner Veteranen und Teilemarktes in Planegg nicht nur einen neuen Namen zu geben. Vielmehr wählte er mitten in der Zeit des „Münchner Hallensterbens“, mit der Münchner Olympiahalle eine weltbekannte Location und beschritt damit den völlig neuen Weg der Oldtimermesse, der bis dato nur von der damals noch sehr neuen Techno Classica in Essen eingeschlagen wurde
Die von Claus Müller gerade erstandene Eigentumswohnung in der Lerchenauer Strasse, nur einen Steinwurf von der Olympiahalle entfernt, kostete fast auf die Mark genau soviel, wie die Miete für die 3 Tage Olympiahalle, in deren Baugrube Müller schon als Lausbub über 20 Jahre zuvor herumkletterte. Da er in unmittelbarer Umgebung des Olympiageländes aufwuchs, hatte er eine langjährige Beziehung und geradezu „intime“ Kenntnis zu und über die olympischen Stätten. Die Olympiade 1972 erlebte Müller als 11-jähriger auf einem gelben Bonanza-Rad mit Bananensattel und 3-Gang-Schaltung. Aus dieser Perspektive erlebte er im olympischen Dorf sogar die Vorgänge um die Geiselnahme und das Attentat auf die israelische Nationalmannschaft hautnah mit.
Das neue Projekt, die CLASSIC MOBIL, wie die neue Münchner Oldtimermesse heißen sollte, war dagegen ein wesentlich erfreulicherer Anlass, das Olympiagelände in den Mittelpunkt zu rücken.
Frau Gabriele Koenig von der Münchner Olympiapark GmbH, gerade frisch aus Karlsruhe nach München gekommen, war die erste und einzige Projektbegleiterin der CLASSIC MOBIL. Unsere „Gabi“, deren erste Großveranstaltung die CLASSIC MOBIL 1993 war, ging 2006 mit der letzten CLASSIC MOBIL in den wohlverdienten Ruhestand. Von hier aus noch mal herzlichen Dank für die langjährige gute Zusammenarbeit!
Die legendäre „Schrottauktion“ von Robert Brooks bot im Rahmen der 1. CLASSIC MOBIL 1993 unglaubliche Schnäppchen. Der Erfolg dieser Auktion, der sich hauptsächlich in der damit verbundenen Imagewerbung gründete, blieb damals leider nur dem Auktionator Robert Brooks selbst verborgen.
Die ob des erheblichen finanziellen Risikos blank liegenden Nerven wurden glücklicherweise nicht überstrapaziert und am Abend des 28. März 1993 flossen sicher einige Tränen der Erleichterung. Eine neue Oldtimermesse war etabliert.
1993 war auch das Jahr, in dem die 100. Ausgabe der Fachzeitschrift MOTOR KLASSIK erschien. Zusammen mit dem Gründungs-Chefredakteur Dirk-Michael Conradt entstand die Idee der ersten Leserreise für Oldtimerfreunde. Unter dem Label CLASSIC MOTOURIST fand im August 1993 eine herrliche Reise statt, von der manche Teilnehmer noch heute schwärmen.
Die weiteren Jahre brachten der CLASSIC MOBIL eine abwechslungsreiche Geschichte – und zahlreiche Möglichkeiten, die Oldtimerszene positiv zu beeinflussen:
Da die allgemeine Plakatkultur leider eine Phase von schöpferischen Tiefpunkten durchlitt und Müller, spätestens seit dem Kontakt mit der „Automotive Fine Arts Society“ (AFAS) in Pebble Beach/Kalifornien, ein großer Fan der „automotive art“ war, wurde 1995 das erste Plakat für die CLASSIC MOBIL speziell von einem Künstler (Georg Baumhakl) gemalt – der Beginn einer neuen Tradition: Fortan wurde jedes Jahr ein Künstler mit dem Plakatmotiv der CLASSIC MOBIL beauftragt. In den darauf folgenden Jahren folgten andere Veranstaltungen dem Beispiel und die Plakate für Oldtimerveranstaltungen in Deutschland wurden nach und nach wieder schöner.
1997 wurde mit „Tatra“ erstmals ein Thema in den Mittelpunkt gestellt, dass sich fortan jährlich auch im Plakatmotiv wieder fand. Für ein gewisses polarisierendes Aufsehen sorgte 2004 das Thema „30 Jahre VW Golf“ – hatten doch einige Oldtimerleute gewisse Schwierigkeiten, einen VW Golf als Oldtimer zu akzeptieren.
Müllers gebetsmühlenartiger Einsatz für Youngtimer führte schließlich indirekt sogar dazu, dass bei der Motor Presse in Stuttgart ein entsprechendes Magazin entstand, nachdem Müller bei Bernd Wieland, dem damaligen Motor Klassik-Chefredakteur (heute Chefredakteur der AUTO BILD), erstmals Gehör fand.
In diesen Zusammenhang passt auch ein weiteres Novum bei Oldtimerveranstaltungen: Die Einführung einer festen Kinderbetreuung, der die Einsicht vorausging, dass die einstigen Weggefährten wg. Nachwuchs häufig auch mal zuhause bleiben mussten, anstatt zu Oldtimerveranstaltungen zu gehen. Im Zuge der ohnehin gewünschten Nachwuchsförderung bot sich eine Kinderbetreuung geradezu an. Der Erfolg war entsprechend und zeitweise tummelten sich über 20 „future drivers“ gleichzeitig im „Classic Mobil Club“ und malten um die Wette. Diese Einrichtung wurde sogar im Editorial der Motor Klassik mehrfach erwähnt.
Aber bereits 2004 kündigte sich intern das Ende der CLASSIC MOBIL in der Olympiahalle an. Die Münchner Olympiapark GmbH sollte an die Stadtwerke verkauft und die Halle umfangreich renoviert werden, was natürlich steigende Mieten befürchten ließ. Gleichzeitig waren die geplanten Umbauten kontraproduktiv für die CLASSIC MOBIL. Ohnehin keine typische Ausstellungshalle würde die Olympiahalle, die seit jeher polarisiert hat, nun endgültig ungeeignet werden. Seitens der CMCompanies GmbH wurde die letzte CLASSIC MOBIL, ursprünglich für 2007, bereits für 2006 angesetzt. Bedingt durch den heftigen Schneefall eine Woche vor der Veranstaltung, der München und dem Umland über 1 m der weißen Pracht bescherte, kamen 2006 rund 20 % weniger Besucher, da diese vermutlich ihre Dächer freischaufeln mussten oder einfach nur den Weg durch den Tiefschnee scheuten. Diese Situation machte CMC als Veranstalter den Abschied von der CLASSIC MOBIL etwas leichter und so fiel im Sommer 2006 die Entscheidung, im Folgejahr keine CLASSIC MOBIL mehr in der mittlerweile schon „grenzwertigen“ Olympiahalle zu veranstalten. 14 Veranstaltungen fanden insgesamt unter dem Zeltdach in München statt. Dazu gab es 1998 noch eine CLASSIC MOBIL in Stuttgart. Was die Messe Stuttgart daraus gelernt hat (und auch, was sie nicht daraus gelernt hat), kann man heute immer kurz vor der TECHNO CLASSICA erleben.
Die Suche nach einer Alternative zur Olympiahalle war leider nicht von Erfolg gekrönt: Die Messe München hatte es, im Vergleich zu Stuttgart, leider nicht nötig, sich bei der Mietpreisgestaltung flexibel zu zeigen. Das M,O,C, in München-Freimann disqualifizierte sich als potentieller Standort selbst, indem es aus reiner Ungeduld 2005 zum zweiten Mal auf einen definitiv falschen Partner setzte. Und Friedrichshafen bedankte sich nach entsprechendem Informationsaustausch nicht einmal, hat jedoch mittlerweile die Idee einer CLASSIC MOBIL „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ wenigstens eindrucksvoll adaptiert.
Kaum wurde das Ende der CLASSIC MOBIL in der Szene bekannt, fühlte sich auch sofort jemand berufen, endlich eine Oldtimermesse in München zu veranstalten, die zwar vollmundig angekündigt wurde, aber dann – wie schon der Totalausfall der Oldtimermesse im M,O,C, – nicht stattfand, sondern schon weit im Vorfeld abgesagt wurde. Auch die Tatsache, dass die Zenith-Halle in München-Freimann völlig ungeeignet ist, konnte nicht verhindern, dass auch dort eine „Oldtimermesse“ durchgeführt wurde, deren Misserfolg den Standort München dann allerdings endgültig verbrannt hat.
Da auch der „Münchner Veteranen- und Teilemarkt“, der seit 1994 im Herbst stattfand, eine neue Bleibe und ein neues Image brauchte, ergab es sich geradezu ideal, dass Claus Müller im Veranstaltungsforum Fürstenfeld wieder eine adäquate Location gefunden hat, wo CMC seit 2005 die OLDTIMERTAGE FÜRSTENFELD durchführen. Die allgemeine Entwicklung in München hat somit dazu geführt, dass heute die OLDTIMERTAGE FÜRSTENFELD eine würdige Nachfolgeveranstaltung sowohl des „Münchner Veteranen- und Teilemarktes“ als auch der CLASSIC MOBIL sind und die Münchner Oldtimerszene somit wieder ihre Veranstaltung hat – und das, wie schon über 20 Jahre zuvor, wieder „vor den Toren Münchens“.
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